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Mein Werdegang

Ich kann mir vorstellen, es interessiert Dich, was für eine Art Mensch ich bin, welche Ausstrahlung ich habe, was meine Gaben sind, mein Talent, auf welchen fachlichen Füßen meine Arbeit steht, wie ich zu meinem Beruf gekommen bin, ob und welche Erfahrungen ich mit dieser Art von Arbeit habe.

Maßgeblich geprägt hat mich zum einen fraglos meine sehr unkonventionelle Kindheit auf einem Segelboot im Mittelmeer und wohl auch die Tatsache, dass meine Eltern mir stets Mut gemacht haben, an mich und meine Lebensträume zu glauben.

Meine Kindheit und Jugend vermittelte mir zum anderen auch das, was ich heute, während meiner Arbeit, oft als mein größtes Kapital erlebe: Die Tatsache, dass ich  sehr viele schmerzliche Seiten des Lebens erfahren habe.

In dieser Zeit musste und habe ich, wie alle Kinder,  meine wichtigsten Abwehr- und Überlebensstrategien entwickelt, um sicher zu stellen, dass ich mein überlebensnotwendiges Maß an Zuneigung, Anerkennung und positiver Spiegelung bekomme: Ich habe früh angefangen, auf Leistung zu setzen. Umso erfolgreicher ich wurde, umso bedürftiger wurde ich, umso bedürftiger ich mich fühlte, umso mehr trug ich eine Haltung nach außen, die signalisierte ‚Ich brauche nichts und niemanden’. Die verbleibenden großen Löcher in mir versuchte ich mit diversen Suchtmitteln zu stopfen.

All diese Erfahrungen in meiner Kindheit und Jugend machen es mir heute leichter, mich in mein Gegenüber auch gefühlsmäßig hineinzuversetzen. Ich weiß, wie weh etwas tun kann, wie zwanghaft wir in unseren Handlungen sein können, wie unbelehrbar. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es uns sehr viel leichter fällt, zum hundertsten Mal die gleiche, unerträgliche Schleife zu ziehen, nur weil sie vertraut ist, als einen Schritt ins Neue, Unbekannte zu wagen.

Auch wenn keine Erfahrung einer anderen gleicht, ich erlebe es in meiner Arbeit als sehr hilfreich, eine Ahnung von der realen Situation und dem gefühlsmäßigen Chaos zu haben, indem frau stecken kann,

Zu meinem großen Glück schickte mir das Leben (oder Manitu, wie ich zu sagen pflege) mit achtzehn einen wunderbaren Mann, der mit seiner Liebe und Hingabe meine kindlichen Wunden heilen half.

Ich machte mein Abitur und wir zogen zum Studium von Norddeutschland nach Berlin. Ich wollte Gymnasiallehrerin werden, da ich selbst eine begeisterte Schülerin war und es heute noch liebe, Dinge, die mir am Herzen liegen, weiterzugeben. Leider gehöre ich den geburtenstarken Jahrgängen an, und so war für mich schon nach der Hälfte des Studiums klar, dass ich nie und nimmer eine Planstelle bekommen würde. Ich beschloss, mein Studium abzuschließen und mich nach Alternativen umschauen.

Schon am Anfang meines Studiums konnte eine Bekannte mich überreden, trotz meiner massiven Ängste und nicht minder großen Widerstände, zu „so was“ zu gehen: Eine Gruppe. Ihre Monate anhaltende Hartnäckigkeit ist der Grund, warum ich heute sehr viele Brücken baue, um Menschen die Angst vor Gruppen zu nehmen. Ich sorge durch klare Regeln und viel Erfahrung für ein Miteinander, dass klare Grenzen, Schutz, Wertefreiheit und Mitmenschlichkeit in den Mittelpunkt stellt. 

Meine erste Gruppe war für mich ein unvergessliches, höchst emotionales und sehr körperbezogenes Erlebnis. Mit Hilfe einer, wie ich heute weiß, simplen Körper- und Atemübung gelang es dem Leiter dieser Gruppe, meinen über Jahre mühsam festgezurrten Gefühls-Deckel zu lüften. Lang aufgestaute Gefühle verschafften sich mit einer Lebendigkeit Ausdruck, die mich überraschte. Mein Körper machte mich liebevoll und unmissverständlich darauf aufmerksam, dass ich mich zu sehr unter Leistungsdruck setzte, da ich vor lauter Perfektionismus fast steif vor Anspannung war. Mein Körper zeigte mir auch, wie sehr ich mich danach sehnte, gehört, berührt, getröstet, gehalten zu werden, dass ich nur einen Bruchteil der Vitalität, Sinnlichkeit und Kraft anzapfte, die mir eigentlich zur Verfügung stand.

Meine erste Gruppe war eine unbeschreibliche Erleichterung im wahrsten Sinne des Wortes: Am Ende war ich um gefühlte Tonnen an Schmerz und Wut und zwei Kilo Körpergewicht leichter.

 Ich wusste sofort, das ist der Weg, der sich zu gehen lohnt, der wirklich eine Befreiung verspricht, einen Gewinn, auch wenn es bedeutete, Angst und Scham zu überwinden, sich meinen Löchern zu stellen, meinen Schmerz erneut zu konfrontieren.

Ich hatte anfangs gar nicht die Idee, Psychologie und Körperarbeit irgendwann zu meinem Beruf zu machen. Ich begegnete David Boadella und erlebte im Rahmen seiner dreijährigen Ausbildung in Somatischer Psychotherapie (Biosynthese)die Faszination und enorme Ausdrucksfähigkeit von  Körpersprache. Und ich erlebte hautnah, dass das, was er tat, bei mir und anderen wohltuende, klärende, lösende Wirkung hatte.

In dieser ersten Ausbildungsgruppe lernte ich meinem langjährigen Lehrer und späteren Freund Martin Siems kennen. Nach einer langen Nacht beim Inder nahm er, der bekannte und erfahrene Therapeut, mich, den Grünschnabel ohne jede praktische Erfahrung, an die Hand und gab mir zu verstehen: ‚Christiane, Du wirst alle Fehler mindestens einmal machen müssen. Du kannst Jahre damit warten oder gleich anfangen’. Ich zog letzteres vor.

Zu meinem Glück war ich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Im Berlin der achtziger Jahren war Körperarbeit DER Trend und ich sollte dank Martin das einzige Mal in meinem Leben meiner Zeit voraus sein: Meine neu gegründete Praxis war im Handumdrehen voll.

In den vier Jahren meiner Assistenz bei Martin und auch in den sich anschließenden Jahren der Zusammenarbeit  bin ich von einer Gruppe zur nächsten gependelt und bekam das unschätzbare Geschenk, von Martin aus erster Hand zu lernen, wie eine Gruppe verantwortungsvoll und professionell geleitet wird. Ein Spektrum wie Martin es durch unzählige Ausbildungen ausweist ist extrem selten. Ich durfte einen Pool an Techniken und Übungen kennen lernen, den ich meine Schatzkiste nenne.

Parallel besuchte ich eine zweijährige Supervisions-Ausbildung bei David Boadella, mehrere Jahre lang die Diamond Approach Arbeit der Rhidwan-Schule von A. H. Almaas, ich absolvierte eine Ausbildung in Human Holographics bei Otto Richter und besuchte viele weitere Fortbildungen.

Mit Anfang dreißig verliebte ich mich „unsterblich“ in einen Mann, der schwer drogenabhängig war. Ich war derweil so erfolgreich, dass ich mir einbildete, ich könne ihn heilen, wenn er ‚nur mal aus allem heraus kam’. Wir heirateten und gingen zusammen ins Ausland. Ich verlor natürlich meine Praxis und meine Gruppen, mit der Zeit auch meine Freunde und am Ende meine Selbstachtung.

Aus dieser Zeit weiß ich, was es heißt, in einer Abhängigkeitsbeziehung zu leben, und wie unendlich schwer der Ausstieg sein kann. Ich habe auch erfahren, wie tief Menschen sinken müssen, die sich, wie ich, insgeheim für grandios halten, um dem Leben gegenüber Demut, Dankbarkeit und Wertschätzung zu lernen. Als gar nichts mehr ging, erbarmte sich meine  Familie und meine letzten verbliebenen Freundinnen und ebneten mir den Weg zurück nach Deutschland. Das Leben oder Manitu war abermals gnädig mit mir und schickte mir in dieser zweiten großen Krise meines Lebens wiederum einen wundervollen Mann.

Die Liebe brachte mich von Berlin nach Nürnberg, eine Stadt, die ich kaum kannte und in der mich vor allem mich niemand kannte. Ich konnte schlecht eine Praxis eröffnen, ein Schild an die Tür hängen und erwarten, dass Menschen unbekannterweise an meiner Tür klopfen. In meinem Beruf beruht Erfolg vor allem, wenn nicht ausschließlich auf Mundpropaganda.

Ich fing fast ganz von vorne wieder anfangen. Ich nahm den Umweg über die so genannten Personaldienstleistungen, zu Anfang als Personaldisponentin bei der Zeitarbeit, dann als selbständige Kommunikationstrainerin und Coach in der freien Wirtschaft und zum Schluss als Leiterin der Akademie für Managementtraining bei einer großen  Nürnberger Wirtschaftssozietät. Die Jahre haben mich viel gelehrt, doch ich wusste die ganze Zeit, ich bin noch nicht an meinem Ziel angekommen.

Dann suchte das Klinikum Nürnberg eine Psychologin für eine Maßnahme mit stark übergewichtigen Menschen. Sie entschieden sich für mich und ich entschied mich umgehend, eine winzige Praxis zu eröffnen. Es dauerte auch dieses Mal nicht lang und ich war gut gebucht. Im Anschluss absolvierte ich zusammen mit Martin eine Ausbildung als Familienaufstellerin bei Dr. Doetsch und besuchte gemeinsam mit meinem Mann mehrere Jahre lang verschiedene Trainings beim Aruna-Institut von Regina König und Hellwig Schinko, um weitere Erfahrungen zu sammeln und mein Wissen zu vertiefen.

Ich wertschätze und liebe meine Arbeit heute als eine Tätigkeit, die es mir gestattet, so authentisch zu sein, wie es mir möglich ist und die mich zudem mit sehr unterschiedlichen und sehr liebenswerten Menschen in Kontakt bringt.

 

 

 

 


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