Diese Seite drucken

Presse

Artikel zur Buchpremiere



Zur Vergrößerung der Ansicht klicken Sie bitte auf den Artikel: 


 

Portrait Christiane Czech


Zur Vergrößerung der Ansicht klicken Sie bitte auf den Artikel:


Rezension zum Buch


auf www.meine-biographie.com finden Sie HIER

 

 

 

Offener Brief an die dicke Frau:
Genug gelitten! Was Du tun kannst.

( Veröffentlicht bei www.gesundheit.schleswig-holstein.de im Juni/Juli 2007)

Der Kampf gegen Ess-Sucht ist ein lebenslanger Kampf, eine der großen Herausforderungen, die das Leben an uns stellt. Jede Frau hat ihre Geschichte, jede muss ihren ganz eigenen, maßgeschneiderten, individuellen Weg aus der Suchtspirale finden.

"Ich habe Frauen begleitet, für die war ein Magenband die Lösung, ich kenne auch Frauen, die mit gleichen Magenband 20 kg zugenommen haben. Für die eine war die überfällige Trennung von ihrem lieblosen Partner der Weg raus, für eine andere Trennkost. Einigen Frauen hilft die Unterstützung einer Gruppe, andere wiederum können ihr Anliegen nur unter vier Augen angehen.

Es gibt zwar kein Patentrezept, keine für alle gültige Empfehlung, doch unverzichtbare Schritte, um aus dem Teufelskreislauf aus Scham, Selbstabwertung, Selbsthass, massivem Ausblenden, tiefer Resignation und noch mehr Essen auszusteigen.

Am Anfang steht der Mut, die ganze Wahrheit einzublenden. Sich selbst gegenüber schonungslos einzugestehen, wie schlimm es wirklich ist. Wie hoch der Preis ist, welche Einschränkungen längst akzeptierter Teil des Alltags geworden sind: der Bluthochdruck, der Rückzug aus gemeinschaftlichen Aktivitäten, die Diabetes, die Einsamkeit, die Kniebeschwerden, die ungewollte Kinderlosigkeit, die Atemnot, die Scham und die vielen, kleinen, alltäglichen Diskriminierungen. Auch wenn frau es hundertmal gelernt hat, so zu tun, als wäre es nicht halb so schlimm, wie es ist.
Die Wahrheit ist: Innen fühlt frau sich elend!

Dieses Eingeständnis ist die Grundvoraussetzung für den Ausstieg aus der Suchtspirale.

Es braucht Unterstützung, jemanden, der oder die Dir Mut macht, Dir beisteht, aufrichtig an Dich glaubt, jeden noch so kleinen Erfolg würdigt, Dir den Rücken stärkt und die Dich auffängt, wenn Du umgekippt bist. Lerne Dir und Deinen Entschlüssen wieder zu vertrauen, sei es Dir wert, dass Du Dir Unterstützung holst. Wenn Du in Deinem Umfeld jemanden hast, wunderbar. Wenn nicht, gönn Dir professionelle Unterstützung.

Wenn Du keinen Autofreak zu Deinen Freunden zählst, versucht Du dann die abgebrochene Auspuffanlage Deines Autos selbst zu reparieren oder suchst Du eine Fachwerkstatt auf?

Es braucht eine Kampfansage an Deinen Todfeind: Dein Suchtmonster. Suchtmonster steht für die mächtige Stimme der Verführung, die uns unablässig gegen besseres Wissen zum Essen verleiten will, in deren Würgegriff wir im Laufe der Jahre immer mehr geraten, dem es zunehmend gelingt., unsere guten Absichten zu untergraben.

Letztlich kann nur einer gewinnen: Du oder Dein Suchtmonster. Dazwischen gibt es nichts außer Qualen, falschen Hoffnungen, Selbstbetrug, halbherzigen Versuchen und Fehlschlägen.

Lass Dir von Deinem Suchtmonster nicht einreden, es ginge nicht, Du würdest es nicht schaffen, Du seiest nicht stark genug, das würden ja schon die vielen Versuche zeigen, die alle zu nichts geführt haben. Wisse, es ist die Strategie Deines Suchtmonsters. Es wird Dich mit aller Macht, Tücke, Raffinesse und Kaltschnäuzigkeit zu überzeugen versuchen, dass es nicht geht. Niemals und bei Dir schon gar nicht.

Die gute Nachricht ist, Du kannst diese Stimme ausschalten, Du kannst Dein Suchtmonster entmachten, wenn Du entschlossen bist,. Du weißt das aus Erfahrung. Du bist nicht so ohnmächtig, wie Dir Dein Suchtmonster einzureden versucht.

Die maßgebliche Unterstützung, die Du im Kampf gegen Dein Suchtmonster brauchen wirst, ist ausgerechnet Dein Körper!

Bist Du bereit, Deinem Körper fünf Minuten Deines Lebens zu schenken und ihm voller Achtsamkeit und offenen Herzens zuzuhören?

Der Körper sagt: "Ich weiß, Du hasst mich, weil ich so dick und unförmig bin. Du empfindest mich als Last, als Bürde, als Schande. Du glaubst, ich sei Deine ärgste Feindin.
Die Wahrheit ist, ich bin Dir so treu, wie niemand sonst. Ich begleite Dich von Deinem ersten bis zu Deinem letzten Atemzug. Ich kann und werde Dich niemals verlassen, ich begleite Dich durch alle Höhen und Tiefen Deines Lebens, durch alle dicken und dünnen Phasen.
Ich ertrage, dass Du mich bis zur Schmerzgrenze belastest und darüber hinaus. Ich trage Dich und das Gewicht, dass Du uns Zweien aufbürdest mit so viel Würde, wie es mir möglich ist. Wenn ich kann, trage ich Dich bis in den vierten Stock und wieder herunter.

Wenn ich Dir Schmerzen bereite, so geschieht es nur weil ich keinen anderen Ausweg sehe, um Dich auf unsere Not aufmerksam zu machen. Wie soll ich Dich daran hindern, weiterhin wegzuschauen und mich unter Unmengen von Eis, Schokolade, Pizzas, Leberkäse und fettarmen Frucht-Joghurts zu begraben? Ich kriege oft kaum noch Luft, mir tun alle Gelenke weh, vor allem die Knie. Sie schmerzen ganz arg, bei jedem Schritt, den wir machen.

Ich mache Dir keinen Vorwurf, ich habe das nie getan. Ich weiß nicht, warum Du mir derartige Vorwürfe machst. Ich kann nichts für den Zustand, den wir miteinander teilen müssen.

Ich gäbe etwas darum, wenn Du Dir die Zeit nehmen würdest, hinzuspüren, wie schwer es mir fällt, die Last zu tragen.

Ich bin von Natur aus sehr beweglich und belastbar. In meinem natürlichen Zustand kannst Du eine Menge mit mir unternehmen. Ich kann hüpfen, schnell laufen, Kniebeugen machen und Delphin schwimmen, ich kann Berge besteigen und ein Pferd reiten. Ich kann weit über dreihundert Stufen erklimmen. Ich mag Berührungen und Zärtlichkeiten, ich bin voller Erotik und Leidenschaft. Ich mag Wärmflaschen und Wolldecken im Winter, Schwimmbäder und Bergwanderungen im Sommer.

Wenn Du Dich mir zuwendest, sehe ich Deine Verzweiflung, Deine Verachtung und Deinen Ärger über mich. Ich versuche so viele Kalorien abzubauen, wie mir irgend möglich ist, doch Du erstickst mich unter immer größeren Mengen. Ich schlafe schlecht, wenn Du mir den Bauch so voll schlägst. Morgens fühle ich mich dann erschöpft und wieder reagierst Du mit Ärger und Abscheu.

Ich weiß nicht, was ich noch tun soll, um Deine Liebe zu gewinnen.

Ich weiß, dass Du oft traurig bist, manchmal verzweifelt, dass Du unter Druck stehst, viel Frust hast. Du sagst, es sei meinetwegen, ich sei an allem Schuld. Stimmt das so? Ich war nicht immer so. Erinnere Dich.

Ich wüsste tausend tolle Dinge, die wir tun könnten, damit es uns besser geht. Wir könnten an die frische Luft gehen, wir könnten uns massieren lassen, wir könnten uns in eine wohlige Badewanne voll mit warmem Wasser kuscheln, wir könnten zu unserer Lieblingsmusik durchs Wohnzimmer tanzen, Du könntest mich dabei umarmen. Wir könnten die Natur mit all ihren Schönheiten gemeinsam genießen.

Ich habe Liebe und Zuwendung so nötig wie Du. Ich giere nach jeder noch so winzigen Berührung und Aufmerksamkeit. Ich gäbe etwas darum, wenn Du mich annehmen könntest, so wie ich bin.

Wir gehören doch untrennbar zueinander. Ich bin nicht Deine Feindin. Ich bin und will Dir eine Freundin sein, die treueste, die Du je haben kannst: Vom ersten bis zum letzten Atemzug.

Ich wünsche mir so sehr, dass Du mich mit Augen voller Liebe, Achtung und Mitgefühl wahrnimmst. "

Hör nicht auf die äußerst verführerische, weil Soforterfüllung verheißende Stimme Deines Suchtmonsters. Freunde Dich mit Deinem Körper an, so wie er ist. Schau, was er aus Liebe zu Dir geleistet hat und noch leistet. Ihr Zwei könnt ein unschlagbares Team im Kampf gegen das Suchtmonster werden, mit ihm zusammen findest Du den Weg raus."

Vorherige Seite: Danksagung
Nächste Seite: Beratung